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Von Pampers über den Küchentisch zum German Design Award Winner

  • Autorenbild: Herman ze German
    Herman ze German
  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Eliah Werner ist kein Winzer. Kein Designer. Sein Hintergrund ist Pampers, Gillette, Oral-B – zehn Jahre Konsumgütermarketing bei Procter & Gamble. Und genau das hat Young Poets, glaube ich, den German Design Award 2026 eingebracht.

Nicht trotzdem. Sondern deswegen.


Was die Jury gesagt hat – und was daran überraschte


Das Statement der Jury zum German Design Award 2026 war präzise: „Chavismatisch und mutig inszeniert das Projekt Young Poets Wine den Moment am Regal: Prägnante Typografie, reduziertes Design und ein augenzwinkernder Claim schaffen eine emotionale Verbindung zu jungen Konsument*innen.“


Die Jury sprach nicht über Wein. Sie sprach über Kommunikation. Über Strategie. Über Psychologie.


Genau das war unser Plan. Young Poets ist eine Kommunikationsmarke, die zufällig Wein verkauft. Oder präziser: eine Marke, die beweist, dass Design keine Dekoration ist – sondern Verkaufsstrategie.



Das Problem: Eine Kategorie, die ihre Käufer vergessen hat

Stell dir vor, du stehst vor 300 Weinflaschen. Alle sehen gleich aus. Alle reden von Terroir, Hanglage, Parker-Punkten. Du hast keine Ahnung – und kaufst irgendwas. Oder gar nichts.

Das ist die Realität für Millennials und Gen Z an der Weinabteilung. Und die Zahlen sind eindeutig: 64% der Millennials kaufen Wein ausschließlich aufgrund des Label-Designs. 53% sagen, das Getränk das du trinkst sagt etwas über dich aus. Die Kategorie hat diese Generation jahrelang ignoriert – mit komplexer Sprache, einschüchternder Ästhetik, elitistärem Auftreten.

Eliahs Ausgangspunkt war nicht: Was ist der beste Wein? Sondern: Wie entscheidet jemand in drei Sekunden, welche Flasche er in die Hand nimmt?



Stop. Hold. Close. – Shopper-Psychologie im Regal

Young Poets wurde auf Basis eines Drei-Schritt-Prinzips gebaut, das Eliah direkt aus der Werbepsychologie ins Regal übertragen hat – und das mit einem digitalen Eye-Tracking-Test mit echten Konsumenten validiert wurde:


Stop – aus drei Metern. Shoppers suchen zuerst nach Weinfarbe, dann nach Rebsorte. Young Poets poppt mit einer Typografie, die das Gehirn zwingt, zweimal hinzuschauen. Abgekürzte Rebsortennamen – GRNR VLTLNR statt Grüner Veltliner, GRAU BRGNDR statt Grauburgunder – triggern den Zajonc-Effekt: Das Gehirn mag, was es ergänzen darf.


Hold – aus zwei Metern. Kein Fachwissen, keine Weinsprache. Stattdessen Popkultur. „Fifty Shades of Grauburgunder“. „Everything Happens for a Riesling“. Namen, die ein Lächeln auslösen – und die man sich merkt. Hashtags wie #fiftyshadesofgrey (2 Mio. Posts) oder #roseallday (760K Posts) werden zu organischen Reichweitenmultiplikatoren.


Close – aus einem Meter. Vertrauen über echte junge Winzerinnen und Winzer hinter jedem Wein. Klare Geschmacksinfos ohne Jargon. Und ein konkretes Versprechen auf dem Rücketikett: Jede Flasche ist eine Spende an die Stiftung Lesen.



Wie es wirklich entstanden ist

Inspiriert vom Konsumenten. Angetrieben von Pampers-Markenwissen. Designed auf dem Küchentisch, mit einem Glas Wein in der Hand.


Kein großes Team. Kein Agentur-Budget. Sondern die Kombination aus Consumer-First-Denken, ehrlichem Handwerk der Winzerinnen und Winzer – und dem Mut, eine Kategorie anders anzusprechen als alle anderen.


Der eigentliche Award ist für Eliah jedes Mal, wenn jemand eine Flasche in die Hand nimmt und sagt: „Das ist nicht so wie andere Weine.“


Genau das war das Ziel. Von Anfang an.

 
 
 

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